Kurz gesagt: Imam Muhammed Taki (Cevad) ist der neunte der Zwölf Imame und der Sohn von Imam Rıza. Als sein Vater zum Märtyrer wurde, war er etwa acht Jahre alt. Kalif al-Ma’mun ließ ihn nach Bagdad holen und verheiratete ihn mit seiner Tochter Ümmü’l-Fazl; zur Zeit des Kalifen al-Mu‘tasim wurde er in jungen Jahren vergiftet und so zum Märtyrer. Diese Seite schildert sein Leben in der Darstellung von Seyit Derviş Tur Dede.
Der folgende Text stammt aus dem Buch Erkânname von Seyit Derviş Tur Dede. Eine allgemeine Einführung bietet: Was ist Alevitentum?
Inhalt
Wer ist Imam Muhammed Taki (Cevad)?
| Geburt | Medina (laut Kurzbiografie im Buch 827 n. Chr.) |
| Martyrium | 220 n. H. / 842 n. Chr., Bagdad (in der Kurzbiografie 858) |
| Alter | 25 (in der Kurzbiografie 31) |
| Vater | Imam Rıza |
| Mutter | Necime (Sebike) |
| Ehefrauen | Ümmü’l-Fazl und Semane |
Imam Muhammed Taki ist einer Überlieferung zufolge der einzige Sohn von Imam Rıza. Er ist der neunte Imam. In einigen anderen Quellen heißt es, Imam Rıza habe drei Söhne gehabt. Als Imam Rıza im Jahr 835 zum Märtyrer wurde, war Imam Muhammed Taki etwa acht Jahre alt und damit fast noch ein Kind. Wann immer Imam Rıza gefragt wurde, wer nach ihm das Amt des Imamats übernehmen werde, wies er stets auf seinen Sohn Muhammed Taki. Auf dem Sterbebett, noch bevor er seinen letzten Atemzug tat, versammelte er seine Angehörigen und Gefährten und empfahl ihnen: „Nach mir wird mein Sohn Muhammed Taki euer Imam sein.“
Die Angehörigen und Gefährten wandten ein: „O Imam! Der junge Mann, der Imam sein soll, ist ja fast noch ein Kind – in welchen Fragen kann er uns führen?“ Imam Rıza antwortete: „O ihr Gläubigen! Habt keinerlei Zweifel. So wie dem Propheten Johannes (Yahya) schon als Kind das Prophetentum verliehen wurde und dem Propheten Jesus schon im Mutterleib, so ist auch meinem Sohn Muhammed Taki von Gott, dem Erhabenen (Hak Taâla), das Imamat verliehen worden. Vergesst nicht den Vers im edlen Koran: „Biz dilediğimize küçük yaştayken de hikmet veririz“ („Wem Wir wollen, dem geben Wir schon in jungen Jahren Weisheit“).“
Am Hof al-Ma’muns: seine Überführung nach Bagdad
Kalif al-Ma’mun (Memun) ließ Imam Rıza in der Stadt Tus beisetzen, beging auch die Gedenkfeier am vierzigsten Tag und ließ sich danach in Bagdad nieder. In Bagdad aber hatte schon zuvor sein Onkel İbrahim bin Mehdi einen Aufstand gegen Kalif al-Ma’mun begonnen, weil der Stamm der Abbasiden fürchtete, das Kalifat könnte ihm entgleiten; es herrschte Aufruhr. Kalif al-Ma’mun, der sehr klug und so listig wie der Teufel war, besuchte gleich nach seiner Ankunft in Bagdad seinen Onkel İbrahim bin Mehdi. Er versicherte seinem Onkel, dass er Imam Rıza in Tus beseitigt habe und das Kalifat niemals in die Hände der Nachkommen Alis gelangen werde. Mit diesem Verhalten zerstreute er den Argwohn der Aufständischen und beschwichtigte den Aufstand der Abbasiden.
Während Kalif al-Ma’mun den Aufstand der Abbasiden beschwichtigt hatte, begann auf der anderen Seite ein Aufstand der Schiiten. Sie erhoben sich mit der Behauptung, der gesunde Imam Rıza sei in Tus nicht plötzlich gestorben, sondern vom Kalifen mit Trauben vergiftet und getötet worden. Wieder wurde die Lage für Kalif al-Ma’mun schwierig. Jahre vergingen, und er konnte den Aufstand der Schiiten einfach nicht beenden. Um die Anhänger der Ehlibeyt (Ahl al-Bayt, die Familie des Propheten) und Alis zu beschwichtigen, beschloss dieser listige Mann, Imam Muhammed Taki von Medina zu sich nach Bagdad zu holen. Im Jahr 211 nach der Hidschra befahl er, Imam Muhammed Taki von Medina nach Bagdad zu bringen.
Imam Muhammed Taki fügte sich gezwungenermaßen dem Befehl des Kalifen und willigte ein, nach Bagdad zu kommen; bei seiner Ankunft wurde er von Kalif al-Ma’mun mit einer prachtvollen Zeremonie empfangen. Die Gelehrten (Ulema), die nicht wussten, warum diesem jungen Imam so viel Ehre erwiesen wurde, begannen ihn zu beneiden. Auch die Abbasiden setzten Kalif al-Ma’mun unter Druck, aus Furcht, er könnte ihn erneut zum Thronfolger erklären. Die mit den Gelehrten verbündeten Abbasiden sagten: „Was ist dieses Kind denn schon, dass du ihm so viel Wert beimisst? Wie groß ist denn sein Wissen, dass du ihn den Imam der Zeit nennst?“
Das Streitgespräch mit dem Obersten Richter Yahya bin Eksem
Diese Feinde der Ehlibeyt versammelten sich nun und fassten untereinander einen Beschluss: „Wir schlagen dem Kalifen vor: Um das Wissen dieses jungen Imams kennenzulernen, möchten wir ihm mit Eurer Erlaubnis in Eurer Gegenwart einige Fragen stellen. Weil der Kalif ihm sehr vertraut, wird er unseren Vorschlag nicht ablehnen. Und mit den Fragen, die wir stellen, werden wir beweisen, dass er des Imamats nicht würdig ist. Nur auf diese Weise können wir den Kalifen von ihm entfernen.“ So beschlossen sie es und unterbreiteten dem Kalifen ihren Vorschlag.
Kalif al-Ma’mun nahm ihren Vorschlag an und sagte: „An jenem Tag werde ich auch eine sehr schöne Überraschung für euch haben.“ Sie legten den Tag fest. Als der vereinbarte Tag gekommen war, lud Kalif al-Ma’mun Imam Muhammed Taki in den Palast ein. Die Gegenseite übertrug diese Aufgabe dem Obersten Richter (Kadılar kadısı) Yahya bin Eksem. Yahya bin Eksem sagte zum Kalifen: „Mein Sultan! Das Gespräch, das wir hier in Eurer Gegenwart mit Imam Muhammed Taki führen werden, wird gewiss sehr nützlich sein. Mit Eurer Erlaubnis möchten auch die übrigen islamischen Gelehrten dieses wertvolle Gespräch hören.“ Kalif al-Ma’mun nahm den Vorschlag gelassen auf und befahl: „Lasst sie alle herein.“
Nachdem alle eingetreten waren, folgte eine kurze gegenseitige Vorstellung, und dann stellte Yahya bin Eksem Imam Muhammed Taki folgende Frage: „O Imam, welches Urteil ist über jemanden zu fällen, der zur Erfüllung der Pflicht der Pilgerfahrt (Hac) den Weihezustand (İhram) angelegt hat und nach dem religiösen Gesetz unter dessen Verboten steht, wenn er Wild jagt?“
Imam Muhammed Taki sagte: „Ihr habt eine sehr schöne und sehr feinsinnige Frage gestellt; darüber freue ich mich. Vor allem muss man die Person dessen, der den Weihezustand angelegt hat, kennen und wissen, wer sie ist. Wer ist dieser Mensch im Weihezustand? Ist es ein Mann oder eine Frau? Ein Erwachsener oder ein Kind? Hat er im erlaubten Bereich gejagt oder im verbotenen (heiligen) Bezirk? Hat er absichtlich gejagt oder versehentlich? Ist er ein freier Mensch oder ein Sklave? Begeht er einen solchen Fehler zum ersten Mal? Hat er Reue empfunden oder nicht? War es nachts oder am Tag? Oder hat er ein solches Vergehen schon mehrmals begangen? Welcher Art war das gejagte Wild? Ein Vogel oder ein Vierbeiner?“ Diese Antwort verblüffte alle – und den Obersten Richter mehr als jeden anderen.
Als der Imam im Anschluss an diese Antworten auch die Koranverse anführte, die diese Fragen behandeln, verstummten alle, als hätten sie ihre Zunge verschluckt. Kalif al-Ma’mun wandte sich an die in der Versammlung anwesenden Abbasiden und sagte: „Das ist er, Muhammed Taki ibn Rıza, dessen Wissen und Erhabenheit ihr partout nicht anerkennen, verstehen und bestätigen wollt. Nun stellt ihm doch Fragen, gebt doch Antworten! Ich hatte euch gesagt, dass ich am Ende der Versammlung eine Überraschung für euch haben werde. Die werde ich jetzt verkünden.“
Die Ehe mit Ümmü’l-Fazl und die Rückkehr nach Medina
Kalif al-Ma’mun sprach zunächst einen Segensgruß (Salavat), dankte und lobte Allah. Dann wandte er sich dem jungen Imam zu und sagte mit lauter Stimme, sodass alle es hören konnten: „O Eba Cafer! Ich möchte dir meine Tochter Ümmi Fazl geben. Nimmst du sie zur Ehefrau?“ Der Imam: „Gewiss nehme ich sie mit Stolz an.“ So erfuhren alle auch, worin die Überraschung dieser Versammlung bestand. Der Kalif sagte, nach Brauch und Überlieferung müsse der Bräutigam eine Ansprache halten. Daraufhin hielt der Imam eine sehr bedeutungsvolle Rede. Mit dieser Rede gewann er die Aufmerksamkeit der Würdenträger des Hofes. Alle würdigten ihn und sagten, der Kalif habe sich einen besonderen Schwiegersohn ausgesucht, einen wie ihn finde man wahrlich kein zweites Mal.
Ohne die Sache in die Länge zu ziehen, ließ der Kalif sofort die Trauung vollziehen und richtete eine prunkvolle, prächtige Hochzeit aus. Mit dieser Ehe hatte der Kalif sein Ziel erreicht. Als ich das Leben von Imam Rıza schilderte, habe ich beschrieben, wie Kalif al-Ma’mun versuchte, sich als einer der Liebenden der Ehlibeyt darzustellen, um die Missstände in der Gesellschaft zu beheben, den Aufstand der Schiiten zu verhindern und die Zuneigung der Schiiten und der Iraner zu gewinnen. Deshalb hatte er Imam Rıza zum Thronfolger erklärt und so einen großen Aufstand beendet. Danach hatte er den Imam heimtückisch vergiften lassen. Damit das Volk keinen Verdacht schöpfte, weinte und trauerte er drei Tage lang an seinem Grab. Als die Mörder, die die Tat begangen hatten, gefasst wurden, gestanden sie, dass Kalif al-Ma’mun sie zu dem Mord angestiftet hatte. Als das Volk davon hörte, begannen in allen Teilen des Landes erneut Erhebungen und Aufstände. Nun bediente er sich wieder derselben Politik: Indem er seine Tochter Imam Muhammed Taki zur Frau gab, schlug er die Aufstände nieder. Und so erreichte er auch das Ziel, das er sich gesetzt hatte.
Kalif al-Ma’mun spielte ein so doppeltes Spiel, dass er sagte: „Ich habe diese Ehe gewollt, damit Ebu Cafer von meiner Tochter ein Kind bekommt und ich so Großvater eines Kindes werde, das vom Gesandten Gottes und von Ali bin Ebu Talip abstammt!“ Da er in seiner Absicht nicht aufrichtig war, schenkte Gott, der Herr (Cenab-ı Mevla), ihm von seiner Tochter kein einziges Kind. Von seiner Frau namens Semane, die Muhammed Taki aus den Reihen der Dienerinnen als Ehefrau erwählt hatte, stammt Ali Naki, der zehnte Imam und zwölfte Unschuldige (Masum). Sein anderer Sohn, Musa bin Muhammed, wurde in der Stadt Ghom (Kum) im Iran zum Märtyrer; sein Grabmal befindet sich im Iran. Er hatte drei Töchter namens Fatma, Ümmü Gülsüm und Hekime.
Als Muhammed Taki die Tochter al-Ma’muns geheiratet und sich im Palast niedergelassen hatte, befürchteten alle Schiiten, der Imam werde dieses prunkvolle Leben nun nicht mehr aufgeben und nicht nach Medina zurückkehren. Ein Freund fragte ihn: „Denkst du daran, dieses prunkvolle Leben hinter dir zu lassen und nach Medina zu gehen?“ Der Imam antwortete: „Das Gerstenbrot und die Zwiebel an der Stätte meines Ahnherrn tausche ich nicht gegen diese Pracht.“ Kurze Zeit später zog der Imam mit seiner Familie nach Medina. Dort widmete sich Imam Muhammed Taki der Wissenschaft und setzte sein bescheidenes Leben fort. In dieser Zeit ereigneten sich in Bagdad unerwartete Dinge.
Der Tod al-Ma’muns und die Zeit des Kalifen al-Mu‘tasim
Kalif al-Ma’mun begann einen Krieg gegen die Römer, die über Anatolien herrschten. Die arabischen Heere waren bis Tarsus vorgedrungen und hatten die ganze Umgebung eingenommen. Der Kalif hatte sich in Bedendem niedergelassen, einem schönen Dorf in der Nähe von Tarsus. Sein Bruder al-Mu‘tasim, der Thronfolger, war bei ihm. Die beiden Brüder gingen zusammen zum nahen Bach hinunter, um ihre Füße ins Wasser zu halten und sich abzukühlen. Nachdem sie eine ganze Weile dort gesessen und sich erfrischt hatten, bekam der Kalif Lust auf frische Datteln. Er fragte die Diener, ob es hier frische Datteln gebe. Sie sagten, es gebe keine. Kurz darauf waren Glockenklänge zu hören, und man meldete, dass eine Karawane komme. Der Kalif sagte: „Geht und seht nach, ob unter ihren Speisen solche aus unserer Heimat sind.“ Die Diener gingen und kamen kurz darauf mit zwei Körben frischer Datteln zurück. Als der Kalif die frischen Datteln sah, freute er sich und meinte, hätte er in diesem Augenblick etwas anderes von Allah erbeten, so hätte Er es ihm gewährt – und er begann von den Datteln zu essen.
Nachdem Kalif al-Ma’mun eine ganze Menge Datteln gegessen hatte, überkam ihn ein Frösteln. Seine Begleiter brachten ihn sofort in sein Zelt. Obwohl die beiden Ärzte, die er stets mit sich führte, ihn mit verschiedenen Arzneien behandelten, konnten sie nichts ausrichten. Am 12. Tag des Monats Recep im Jahr 218 nach der Hidschra starb er an einer Vergiftung durch die Datteln, die er gegessen hatte. Sein Bruder al-Mu‘tasim trat seine Nachfolge an. Al-Mu‘tasim war misstrauisch, weil Imam Muhammed Taki in Medina lebte. Aus der ständigen Furcht, dieser könne einen Aufstand gegen ihn anzetteln, ließ er ihn im Jahr 220 nach der Hidschra nach Bagdad bringen. So hielt er ihn aus der Nähe unter Aufsicht und traf nach seinem eigenen Ermessen Vorkehrungen, um rechtzeitig von Gefahren zu erfahren, die von ihm ausgehen könnten.
Nach dem Tod des Vaters von Ümmül Fazl trat ihr Onkel al-Mu‘tasim das Amt des Kalifen an. Wegen eines Diebstahls versammelte Kalif al-Mu‘tasim alle Gelehrten in Bagdad, um festzulegen, an welcher Stelle dem Dieb die Hand abgetrennt werden solle. Von den versammelten Gelehrten erklärten in ihren Rechtsgutachten (Fetva) die einen, sie müsse am Handgelenk, die anderen, sie müsse am Ellenbogen abgetrennt werden. Als sich der Streit unter den Gelehrten in die Länge zog, lud Kalif al-Mu‘tasim auch den jungen Imam Muhammed Taki ein und fragte auch ihn. Der Imam wollte nicht antworten. Als Kalif al-Mu‘tasim darauf bestand, gab der Imam folgende Deutung: „Die Niederwerfung (Secde) geschieht durch die Berührung von sieben Gliedern mit dem Boden. Die Stirn, die Handflächen, die Knie und die Zehen vereinen sich in der Niederwerfung mit Allah. Die Stellen der Niederwerfung gehören Allah, und was Allah gehört, darf nicht abgetrennt werden. Nur die Finger des Diebes dürfen an den Gelenken abgetrennt werden; die Handfläche wird belassen.“ Kalif al-Mu‘tasim und die übrigen Gelehrten konnten dieser Deutung nicht widersprechen. Der Oberste Richter Ahmet bin Ebu Davud konnte ihr nicht nur nicht widersprechen, sondern grämte sich auch darüber, dass sein eigenes Rechtsgutachten hinfällig geworden war. Von diesem Tag an begann er zu planen, wie dieser junge Mann still und heimlich beseitigt werden könnte.
Sein Martyrium
Weil Ümmül Fazl, die Tochter des Kalifen al-Ma’mun, dem Imam kein Kind schenken konnte, hatte Imam Muhammed Taki eine Dienerin namens Semane als zweite Ehefrau geheiratet. Alle seine Kinder wurden von dieser zweiten Frau geboren. Deshalb war Ümmül Fazl sehr eifersüchtig auf die Beziehung des Imams zu Semane. Schon zur Zeit ihres Vaters, des Kalifen al-Ma’mun, hatte sie sich bei ihm immer wieder über diese Beziehung des Imams beklagt, jedoch ohne Erfolg.
Zwei Tage später ging Ahmet bin Ebu Davud in den Palast, um Kalif al-Mu‘tasim sein Unbehagen darzulegen. Er beklagte sich: „O Fürst der Gläubigen! In der Verwaltung, die unter Eurer Herrschaft steht, ist es meine Pflicht, Rechtsgutachten oder Rat zu erteilen. Es kann doch nicht richtig sein, dass Ihr in Gegenwart der Rechtsgelehrten, der Wesire und der Würdenträger der Regierung nicht dem Gutachten eines Mannes folgt, der durch Euren Erlass das Richteramt bekleidet, sondern dem Gutachten eines Menschen, der mit seinem Anspruch auf das Imamat die Gemeinde (Ümmet) spaltet. Wie sollen dann diejenigen, die durch Euren Erlass im Amt sind, ihre Urteile durchsetzen?“
Als Kalif al-Mu‘tasim diese Worte hörte, wurde ihm sehr unbehaglich. Wegen dieser als Ratschlag vorgetragenen Klage sagte er: „Möge Allah dir Gutes geben, ich werde diese Sache bald erledigen.“ Einer Überlieferung zufolge lud Kalif al-Mu‘tasim vier Tage später Imam Muhammed Taki zum Essen ein; die Tafel wurde gedeckt, das Essen kam, sie aßen – doch der Imam bemerkte, dass er vergiftet worden war. Sofort stand er auf; der Kalif drängte ihn zu bleiben. Der Imam sagte: „Es ist besser für dich, wenn ich von dir fortgehe“, und ging in das Haus, in dem er ständig wohnte. In derselben Nacht übergab er seine Seele Gott (Hak).
Einer anderen Überlieferung zufolge war das Verhältnis zwischen Imam Muhammed Taki und seiner Frau Ümmü Fazl, der Tochter des Kalifen al-Ma’mun, zerrüttet, weil sie auf den Imam eifersüchtig war. Es wird geschrieben, dass ihr Onkel, Kalif al-Mu‘tasim, der dies wusste, ihn durch die Hand von Ümmü Fazl vergiften ließ. Schließlich wurde Imam Muhammed Taki im Alter von 25 Jahren im Jahr 220 nach der Hidschra, im Jahr 842 n. Chr., zum Märtyrer. Imam Muhammed Taki hatte außer seinen beiden Söhnen Ali Naki und Musa keine Kinder. Ein weiterer Name von Imam Muhammed Taki ist Imam Muhammed Cevat. Nach seinem Martyrium setzte sein Sohn Imam Ali Naki das Amt des Imamats fort. In iranischen schiitischen Büchern oder Gebeten können Sie ihm unter dem Namen Imam Muhammed Cevat begegnen. Auch darüber wollte ich Sie informieren.
Quelle: Seyit Derviş Tur, Erkânname – Aleviliğin İslam Yorumu ve Alevi Erkânları (Die alevitische Deutung des Islam und die alevitischen Rituale), erweiterte 3. Auflage (ISBN 975-6791-52-7).
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Über den Autor: Seyit Derviş Tur Dede
Geboren 1936 in Başköy (Çayırlı, Erzincan) in einer Seyyid-Familie, die dem Babamansur-Ocak (Şah-Mansur-Ocak) angehört. Er ist Mitgründer und erster Vorsitzender (1990–1993) der Föderation der Alevitischen Gemeinden, der Vorläuferin der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF). Von 1994 bis 2003 leitete er den Dedeler Kurulu (Rat der Dedes) innerhalb der Föderation. Er ist Autor der Bücher Erkânname (2002) und Avrupa’da İlk Alevi Yapılanması (2016); seine Arbeiten werden in wissenschaftlichen Veröffentlichungen von Forschern wie Martin Sökefeld, Zeynel Gül, Burak Gümüş und Bülent Keleş als Quelle angeführt.
Übersetzung aus dem türkischen Original von Seyit Derviş Tur.