Über Seyit Derviş Tur (Deutsch)

Seyit Derviş Tur (geboren am 10. November 1936 in Başköy, Kreis Çayırlı, Provinz Erzincan, Türkei) ist ein alevitischer Dede aus der Ocak-Linie Babamansur, Autor und einer der Gründer der alevitischen Selbstorganisation in Deutschland.

Leben

Nach seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker in Ankara kam er 1966 als Arbeiter nach Köln. Später machte er sich als Kaufmann selbstständig und lebt seit 1979 in Rüsselsheim am Main.

Alevitische Gemeindearbeit in Deutschland

Ab 1986/87 gehörte Seyit Derviş Tur zu dem Kreis, der im Raum Mainz, Rüsselsheim und Wiesbaden die ersten alevitischen Vereine aufbaute. Zum Gründungsteam zählten Ahmet Aydemir, İsmail Yağlı, Derviş Tur, İsmail Elçioğlu, Sabit Yıldız, Musa Bakır und Uğur Aydoğdu. Der Verein „Alevi Bektaschi Gemeinde e.V.“ in Mainz wurde am 1. Dezember 1988 in das Vereinsregister eingetragen.

Aus diesen Vereinen ging 1990 die Alevi Cemaatleri Federasyonu (ACF) hervor, die Vorläuferin der heutigen Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF). Am 19. Mai 1990 wurden in Astheim (Trebur) der Gründungsvorstand gebildet und die Satzung beschlossen; am 25. Mai 1990 beschlossen neun Vereine in Dortmund die Gründung der Föderation. Seit 1990 war Seyit Derviş Tur ihr Vorsitzender. Bei der Eintragung ins Vereinsregister des Amtsgerichts Mainz am 17. Januar 1991 („Die Vereinigung der Aleviten-Gemeinden e.V.“) ist er als Vorsitzender verzeichnet; die erste ordentliche Mitgliederversammlung am 30. Mai 1991 bestätigte ihn im Amt. Mit einer kurzen Unterbrechung führte er den Verband bis Oktober 1993. Auf seinen Vorschlag hin wurde 1994 der Dede-Rat (Dedeler Kurulu) der Föderation gegründet, den er bis 2003 leitete.

Als Dede leitete er über Jahrzehnte Cem-Gottesdienste, begleitete alevitische Bestattungen und hielt Vorträge in ganz Europa. Er vertritt die Auffassung, dass das Alevitentum ein mystischer (bâtınî) Weg innerhalb des Islam ist.

Bücher

In Presse, Fernsehen und Forschung

  • Milliyet, 27. Mai 1990: Bericht über die Gründung der Föderation; 22. Mai 1991: „Alevilerden tepki“; 28. Oktober 1997: Serie „Dönemecin Eşiğinde: Aleviler“.
  • Hürriyet, 25. Januar 1991: Interview von Suat Türker mit dem Vorsitzenden der Föderation („Aleviler örgütleniyor“).
  • Anadolu Ajansı, 23. Juni 2013: Aufruf zur Besonnenheit zwischen Aleviten und Sunniten.
  • TRT Haber, 2016: Dokumentarreihe „Ömür Dediğin“, Folge 108, über sein Leben mit seiner Frau Zöhre Tur.
  • Bei einem Dialogtreffen in Assisi auf Einladung von Papst Johannes Paul II. vertrat er 2002 die AABF.

Belegte Quellen: Presse, Medien und Forschung zu Seyit Derviş Tur · Türkische Quellensammlung · Videos · English

Weiterführend

Ausführliche türkischsprachige Lebensbeschreibung: Biyografi · Erinnerungen in eigenen Worten: Yaşam Öyküsü · Kontakt: İletişim

Quellen u. a.: Martin Sökefeld, „Sind Aleviten Muslime?“, EthnoScripts 2005; Zeynel Gül, Folklor/Edebiyat 30 (2002); Burak Gümüş, SBArD 12 (2008); Bülent Keleş, SÜREK 2 (2024); Seyit Derviş Tur, Avrupa’da İlk Alevi Yapılanması (2016); Vereinsregister Amtsgericht Mainz (1991); AABF-Archiv.

Alevitentum und Geschichte auf Deutsch