Virani (Viran Abdal) – Leben, Hurufismus und Gedichte

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Kurz gesagt: Virani (Viran Abdal) ist ein Dichter, der in der zweiten Hälfte des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts, zur Zeit Balım Sultans, lebte und in der alevitischen Tradition zu den Sieben Großen Dichtern (Yedi Ulu Ozan) gezählt wird. Von ihm ist ein Divan (eine Gedichtsammlung) mit etwa dreihundert Gedichten erhalten; die große Mehrheit seiner Gedichte preist Hz. Ali und die Zwölf Imame. Diese Seite enthält Seyit Derviş Tur Dedes Einschätzung zu Viranis Verhältnis zum Hurufismus und zu seinem Gedicht „Nusayri’yem“ sowie Beispiele aus seinen Gedichten.

Der folgende Text stammt aus dem Buch Erkânname von Seyit Derviş Tur Dede. Eine allgemeine Einführung: Was ist das Alevitentum?

Wer war Virani?

Virani ist ein bedeutender Dichter, der in der alevitischen Gemeinschaft zu den Sieben Großen Dichtern gezählt und mit großer Ehrfurcht genannt wird. Woher Virani stammte, wann er geboren wurde und wie sein Leben verlief, darüber besitzen wir keine sicheren und befriedigenden Kenntnisse. Der eigentliche Name dieses Dichters, der den Dichternamen (Mahlas) Viran Abdal verwendete, ist unbekannt. Wir wissen lediglich, dass es einen Divan gibt, der dreihundert seiner Gedichte vereint. Auch dieser Divan gibt nicht viel über sein Leben preis.

In den Deyiş (religiösen Liedern) und Gedichten, die Virani schrieb, bringt er zum Ausdruck, dass er zur Zeit Balım Sultans lebte, und in seinen Deyiş bekundet er auch seine Verbundenheit mit Balım Sultan. Er erwähnt, dass er im Dergâh (Konvent) des Seyyid Ali Sultan in Makedonien diente, in dem Balım Sultan aufgewachsen war. Ausgehend von den Angaben in den Gedichten lässt sich sagen, dass er in der zweiten Hälfte des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebte.

War Virani ein Nusayrier?

Manche Autoren bezeichnen Virani als Angehörigen des „Nusayri“-Ordens, der Ali als Gott anerkennt, und damit als nusayrischen Dichter. Gewöhnlich betonen alevitische Dichter, dass Hz. Ali übernatürliche, übermenschliche Kräfte besaß. Auch wenn Viranis Auffassung sich nicht wesentlich von dieser allgemeinen Tendenz unterscheidet, hat die Tatsache, dass er diesen Glauben offen ausspricht und in seinem Gedicht sogar zeigt, dass er diese Bezeichnung als Wort für sich annimmt, bei den Autoren eine solche Ansicht entstehen lassen. Tatsächlich vertreten Anhänger des nusayrischen Glaubens die Auffassung, dass Hz. Ali keine Nachkommen hatte und haben konnte. Virani dagegen hat in fast jedem seiner Gedichte die Zwölf Imame, Hacı Bektaş Veli und dessen Nachkommen gepriesen und ihnen seine Verbundenheit bekundet. Allerdings besteht nahezu die Gesamtheit von Viranis Gedichten aus Gedichten, die Hz. Ali loben und erhöhen.

Virani und der Hurufismus

Es wird auch erwähnt, dass Virani ein Hurufi gewesen sei. Der Begriff Hurufi, abgeleitet vom Wort „Huruf“, das „Buchstaben“ bedeutet, wurde zur Bezeichnung derer, die daran glauben, dass Gott sich in Gestalt des Wortes offenbart und durch Buchstaben kundgetan wird. Fazl-ullah (1363–1401), der Sohn des Ebu Muhammed aus Täbris, vertritt in seinem historisch berühmten Werk „Cavidan-Name“ (Buch der Ewigkeit) die Überzeugung, dass die Buchstaben im Koran mit dem menschlichen Antlitz in Verbindung stehen und dass die Bedeutung des Korans im menschlichen Gesicht Gestalt angenommen hat. Da diese Lehre in einer der Philosophie des Tasavvuf (der islamischen Mystik) zugeneigten Weise ausgelegt wurde, fand sie auch in der Philosophie des Tasavvuf ihren Platz.

Deshalb wurde Fazl-ullah unter dem Namen Hurufi weithin berühmt und zur Inspirationsquelle für viele Dichter. Fazl-ullah deutete diesen Glauben anhand der Buchstabenzahlen der Koranverse und der Formen im menschlichen Gesicht und versuchte zu beweisen, dass der Mensch in der Gestalt Gottes (Hak) erschaffen wurde und dass Gott aus dem Menschen heraus existiert. Vom Hurufismus, der den Glauben ausdrückt, dass das Buch Gottes im menschlichen Antlitz Gestalt angenommen hat, und der sich zu einer aus allen Buchstaben gebildeten Dichtkunst entwickelte, sprach in jener Epoche jeder Dichter, und jeder räumte ihm in seinen Gedichten Platz ein. Viranis Denken und Deutung in dieser Richtung fanden in der mystischen Philosophie beachtliche Anerkennung und Anhänger. (Zum Hurufismus siehe auch: Seyyid Nesimi.)

Virani erhebt nicht den Anspruch, wie andere Dichter der mystischen Literatur ein Mann der Literatur und der Dichtkunst zu sein. Sein Ziel ist es, die Erhabenheit und Heiligkeit seines Glaubens darzulegen und dies möglichst vielen Menschen in schöner Sprache und in Versen zu verkünden. Man kann ohne Weiteres sagen, dass er darin großen Erfolg hatte. Virani hat großen Anteil daran, dass Menschen sich erhabenen Gefühlen zuwenden.

Viranis Gedichte

Serdarımız Seyyid Ali (Unser Anführer ist Seyyid Ali)

Ein Gedicht, das wichtig ist, weil es die Zeit zeigt, in der Virani lebte, und in dem er Seyyid Ali Sultan, unter dessen geistlicher Führung (İrşad) er stand, und dessen Erenler (Heilige) preist:

Biz Urum abdalıyız serdarımız Seyyid Ali
Çeşmimizde şu’lei envârımız Seyyid Ali
Bülbül’ü Şeyda biziz gül zarımız Seyyid Ali
Dinimiz imanımız ikrarımız Seyyid Ali
Nur’u Ahmet Haydar’ı kerrârımız Seyyid Ali
Kanda baksak dembedem didarımız Seyyid Ali

Wir sind die Abdals von Rum (Anatolien), unser Anführer ist Seyyid Ali,
in unserem Auge ist der Glanz unserer Lichter Seyyid Ali.
Wir sind die liebestrunkene Nachtigall, unser Rosengarten ist Seyyid Ali,
unsere Religion, unser Glaube, unser Gelöbnis (Ikrar) ist Seyyid Ali.
Das Licht Ahmads, unser stets wiederkehrender Haydar (Ali) ist Seyyid Ali,
wohin wir auch blicken, jeden Augenblick ist unser geliebtes Antlitz Seyyid Ali.

Zahide şek şüphe yoktur Evliya’nın râhına
Cenneti alaya girer yüz süren dergâhına
Bu kelâmı vird idüp Şam’ü seherde ahına
Gel beru ermek istersen ol erenler şahına
Nur’u Ahmet Haydar’ı kerrârımız Seyyid Ali
Kanda baksak dembedem didarımız Seyyid Ali

O Frömmler, es gibt keinen Zweifel am Weg der Heiligen;
wer sein Antlitz an ihren Dergâh legt, geht ins höchste Paradies ein.
Mach dieses Wort zu deinem Gebet, abends und im Morgengrauen in deinem Seufzen;
komm herbei, wenn du jenen König der Erenler erreichen willst.
Das Licht Ahmads, unser stets wiederkehrender Haydar ist Seyyid Ali,
wohin wir auch blicken, jeden Augenblick ist unser geliebtes Antlitz Seyyid Ali.

Ey Viranı dâmenin elden koma Şah’ın müdam
Ta olasın gün be gün Şah’ın yolunda müstedam
Hub-bi evlâdın hakkıyçün eylegil anı tamam
Ki bu methi yâd eder şâm’u seherde yâ İmam
Nur’u Ahmet Haydar’ı kerrârımız Seyyid Ali
Kanda baksak dembedem didarımız Seyyid Ali

O Virani, lass den Saum des Schahs niemals aus der Hand,
damit du Tag für Tag auf dem Weg des Schahs beständig bleibst.
Um der Liebe zu seinen Nachkommen willen vollende es,
denn dieses Lob gedenkt abends und im Morgengrauen: „O Imam!“
Das Licht Ahmads, unser stets wiederkehrender Haydar ist Seyyid Ali,
wohin wir auch blicken, jeden Augenblick ist unser geliebtes Antlitz Seyyid Ali.

Nusayri’yem (Ich bin Nusayrier)

Das berühmte Gedicht, das der Grund dafür ist, dass Virani als Nusayrier bezeichnet wird:

Gel istersen saadet sonu hayrı
Nazar kıl can gözüyle gör bu seyri
Gözün aç bak ne var âlemde ayrı
Hemen dem Şah’ı gör hiç görme gayrı
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Komm, wenn du Glückseligkeit und ein gutes Ende willst;
schau mit dem Auge der Seele und sieh dieses Schauspiel.
Öffne deine Augen und sieh, was es in der Welt Getrenntes gibt;
sieh in jedem Augenblick den Schah, sieh nichts anderes.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Ali’dir âlem-ül gaybın sıfatı
Ki gösterdi sıfat içinde zatı
Dilersen içersin Abu hayatı
Bu sırra kim erer görmez melâmatı
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ali ist die Eigenschaft der verborgenen Welt,
der im Attribut das Wesen offenbart hat.
Wenn du willst, trinkst du das Wasser des Lebens;
wer dieses Geheimnis erlangt, erfährt keinen Tadel.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Ali’dir Padişah’ı aleme server
Anın destindedir cennât’ü Kevser
Kıyamet kaddidir mihrab’ü minber
Vücudum anadır ser cümle yekser
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ali ist der Herrscher, das Haupt der Welt;
in seiner Hand liegen die Paradiesgärten und der Kevser (der Paradiesquell).
Seine Gestalt ist die Auferstehung, Mihrab und Minbar;
mein Dasein gehört ihm, ganz und gar, von Kopf bis Fuß.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Ali’dir var eden Arz’ı semayı
Dahi hem Nur’u şemsi Gün’ü ayı
Koma zikret Hasan Hulki Rıza’yı
Dilersen Şah Hüseyin’i Kerbela’yı
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ali ist es, der Erde und Himmel erschaffen hat,
und ebenso das Licht der Sonne, den Tag und den Mond.
Unterlass es nicht, Hasan, den Sanftmütigen und Ergebenen, zu preisen,
und, wenn du willst, Schah Hüseyin und Kerbela.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Ali’dir Abidin Bakır’ı Cafer
Eden inkâr olur merdud’i kâfir
Ali aşkı kimi kim kıldı Per ver
Memat olmaz bilin diridir ol er
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ali ist Abidin, Bakır und Cafer;
wer das leugnet, wird ein verstoßener Ungläubiger.
Wem die Liebe zu Ali Flügel verliehen hat,
der stirbt nicht – wisst, jener Mann ist lebendig.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Ali’dir Kazim’i Şah’ı Horasan
Anınçün bilmek olmaz bu sırrı insan
Huda dedim Ali’ye ol dem ey can
Beni yetmiş iki kez kıldı kurban
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ali ist Kâzım und der Schah von Chorasan (Rıza);
darum kann der Mensch dieses Geheimnis nicht ergründen.
In jenem Augenblick, o Seele, nannte ich Ali Gott (Huda),
und man opferte mich zweiundsiebzigmal.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Ali’dir Şah Taki vü Ba Naki hem
Ali halik derim hiç söylemem kem
Ol öldürdü ol oldu derdime merhem
Nazirin yokdürür ey Şah’ı Âlem
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ali ist Schah Taki und ebenso Naki;
ich nenne Ali den Schöpfer und rede nie Geringes.
Er hat getötet, und er wurde zur Salbe für mein Leid;
du hast nicht deinesgleichen, o Schah der Welt.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Ali’dir Askeri Mehdi hidayet
Zuhur ettik de def ola cehalet
Yezidi’n başına koptu kıyamet
Göründü emri Yezdan dan alâmet
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ali ist Askeri, ist Mehdi, die Rechtleitung;
wir sind erschienen, damit die Unwissenheit vertrieben werde.
Über Yezid brach das Jüngste Gericht herein;
ein Zeichen vom Befehl Gottes (Yezdan) ist erschienen.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Ali’dir kün deyüb var etti canı
Eğer cism ile canı dü cihanı
Yürü insan isen sen Şahı tanı
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ali ist es, der „Sei!“ (kün) sprach und die Seele erschuf,
ob Leib oder Seele, beide Welten.
Geh, wenn du ein Mensch bist, erkenne den Schah!
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

Virani’yem bu yolda can verirem
Ali’ye aşk ile akl ile olmuşam yarem
Nusayri ‘yem ki ben Ali’ye uyarem
Gerek bu can zerre yü olsa parem
Nusayri’yem, Nusayri’yem, Nusayri
Ne ölmüşem ne hod sağım ne sayrı

Ich bin Virani, auf diesem Weg gebe ich mein Leben hin;
mit Liebe und Verstand bin ich Ali verwundet ergeben.
Ich bin Nusayrier, denn ich folge Ali,
und sollte diese Seele auch in Stäubchen zerstückelt werden.
Ich bin Nusayrier, ich bin Nusayrier, Nusayrier,
ich bin weder tot noch lebendig noch krank.

In diesem Beyit bringt Virani offen zum Ausdruck, dass er Nusayrier ist und, seinem Glauben gemäß, daran glaubt, dass Hz. Ali in menschlicher Gestalt Gott repräsentiert.

Ya Muhammed ya Ali (O Muhammad, o Ali)

Mazhar’ı Nuri hüdasın ya Muhammed ya Ali
Hemdem’i Şahi evliyasın ya Muhammed ya Ali

Ihr seid der Offenbarungsort des göttlichen Lichts, o Muhammad, o Ali,
ihr seid der Gefährte des Schahs der Heiligen, o Muhammad, o Ali.

Hem Hatice Fadime Hulki Rıza’nın hakkıçün
Gözlerime rüşenasın ya Muhammed ya Ali

Um Hatice, Fadime und des sanftmütigen, ergebenen (Hasan) willen
seid ihr das Licht meiner Augen, o Muhammad, o Ali.

Ben Hüseyin’in bendesinin bendesiyim bendesi
Bilmişim Zeynal aba’sın ya Muhammed ya Ali

Ich bin der Diener des Dieners des Dieners Hüseyins;
ich habe erkannt, dass ihr Zeynel (Abidin) und die Leute des Mantels (Ehl-i Aba) seid, o Muhammad, o Ali.

Bakır’ı Cafer yolunda canımı kılmak feda
İsterim virgül şuhasın ya Muhammed ya Ali

Auf dem Weg von Bakır und Cafer mein Leben hinzugeben,
das ist mein Wunsch; ihr seid … (Vers unklar), o Muhammad, o Ali.

Kazım’ı Musa Rıza vü hem Tâki vü bâ Naki
Ebecd’i Ali abasın ya Muhammed ya Ali

Musa Kâzım, Rıza und auch Taki und Naki –
ihr seid das Abjad (das Alphabet) der Ehl-i Aba, o Muhammad, o Ali.

Askeri hem Mehdi sahibi zamanın hürmetine
Cürmünü affet atasın ya Muhammed ya Ali

Um der Ehre Askeris und Mehdis, des Herrn der Zeit, willen
vergebt die Schuld, ihr seid die Väter, o Muhammad, o Ali.

Bu Viran Abdal garibin derdine derman dişen
Gayrı yoktur senden davasın ya Muhammed ya Ali

Für das Leid dieses fremden, armen Viran Abdal seid ihr die Heilung;
außer euch gibt es keine Arznei, o Muhammad, o Ali.

Caferi’yim (Ich bin Caferit)

In diesem Beyit erzählt Virani auch, dass er der Caferi-Rechtsschule (Dschaʿfariten) angehört und den Zwölf Imamen verbunden ist.

Dinle indi nutku kim ne derim ey din eri
Sevmişem canu gönülden Mustafa’yu Haydar’ı
Gezmezem hergiz cihanda serseri vü serseri
Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi

Höre nun die Rede, was ich sage, o Mann des Glaubens:
Von ganzer Seele und ganzem Herzen habe ich Mustafa und Haydar geliebt.
Niemals ziehe ich ziellos und umherirrend durch die Welt –
ich bin Caferit, ich bin Caferit, ich bin Caferit, Caferit.

Şah Hasan Hulki Rıza vü Şahi Hüseyin’i Kerbela
Zeynal Abidin’i Bakır’u Kazım Ali Musa Rıza
Bende’i Ali Abayım hanedana mübtela
Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi

Schah Hasan, der Sanftmütige und Ergebene, und Schah Hüseyin von Kerbela,
Zeynel Abidin, Bakır, Kâzım, Ali Musa Rıza –
ich bin ein Diener der Ehl-i Aba, dem Haus (des Propheten) verfallen;
ich bin Caferit, ich bin Caferit, ich bin Caferit, Caferit.

Hem Muhammed Taki tacım serimde Şah var
Bulmuşam Nuri Naki’den din’i millet aşikâr
Naletim vardır dilimde, ol Yezid’e set hazar
Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi

Muhammad Taki ist meine Krone, auf meinem Haupt ist der Schah;
im Licht Nakis habe ich Religion und Gemeinschaft offenbar gefunden.
Auf meiner Zunge ist mein Fluch – hunderttausendfach über jenen Yezid;
ich bin Caferit, ich bin Caferit, ich bin Caferit, Caferit.

Ben Gulam’i Kanber’im Kanber gulami Askeri
Dü cihanın Mehdi dir bil aftabi enveri
Dört kitabı söylerem aynı cemalin Askeri
Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi

Ich bin der Diener Kanbers, Kanber ist der Diener Askeris;
wisse, die strahlendste Sonne beider Welten ist Mehdi.
Ich verkünde die vier Bücher, die das Antlitz Askeris selbst sind;
ich bin Caferit, ich bin Caferit, ich bin Caferit, Caferit.

Can fanidir ey Gulami ilmü kudret Cavidan
Fazlı Hak’tır bu rumuzu andan olmuştur beyan
Biz güruhu Naci’yiz söyler zebanım her zaman
Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi’yim, Caferi

Die Seele ist vergänglich, o Diener; Wissen und Macht sind ewig (Cavidan).
Fazl ist Wahrheit; von ihm her ist dieses Sinnbild kundgetan worden.
Wir sind die Schar der Geretteten, so spricht meine Zunge allezeit;
ich bin Caferit, ich bin Caferit, ich bin Caferit, Caferit.

… Ali’mdir Ali (… mein Ali ist es, Ali)

İstemem âlemde gayrı meyvayı
Dadına doyulmaz balımdır Ali
İstemem Dünya’yı verseler dahi
Kokmazam sümbülü gülümdür Ali

Ich will in der Welt keine andere Frucht;
Ali ist mein Honig, an dessen Geschmack man sich nicht sattkosten kann.
Ich will die Welt nicht, selbst wenn man sie mir gäbe;
ich rieche nicht an der Hyazinthe – Ali ist meine Rose.

Ali’mdir kadehim, Ali’mdir şişe
Ali’mdir sahralarda morlu menekşe
Ali’m dolu verdi iklim dört köşe
Ali’m saki Kevser dolumdur Ali

Mein Ali ist mein Becher, mein Ali ist die Flasche,
mein Ali ist das lila Veilchen auf den Feldern.
Mein Ali hat die vier Ecken der Welt mit Fülle beschenkt;
mein Ali ist der Mundschenk, Ali ist mein Becher vom Kevser.

Ali vahid şahı, Resul Kibriya
İmam Hasan Şah Hüseyin’i Kerbela
İmam Zeynel Aba ol sahibi liva
Büküldü kametim dalımdır Ali’m

Ali ist der eine Schah, der Gesandte ist (Gesandter) der göttlichen Majestät;
Imam Hasan, Schah Hüseyin von Kerbela,
Imam Zeynel, (einer der) Ehl-i Aba, jener Herr des Banners –
gebeugt ist meine Gestalt, mein Ali ist mein Zweig.

Muhammed Bakır’dır tendeki canım
Cafer’i Sadık’tır dinim imanım
Musa’yı Kazım’dır derde dermanım
Varlığım kalmadı malımdır Ali’m

Muhammad Bakır ist die Seele in meinem Leib,
Cafer-i Sadık ist meine Religion und mein Glaube,
Musa-i Kâzım ist die Heilung meines Leids;
mein Besitz ist dahin – mein Ali ist mein Gut.

Ali’yül Rıza’dır şahı Horasan
Taki ile Naki gösterdi burhan
Hasan’ül Asker’i mâhi dırahşan
Yokladım halimi falımdır Ali’m

Ali Rıza ist der Schah von Chorasan;
Taki und Naki haben den Beweis gezeigt;
Hasan Askeri ist der leuchtende Mond.
Ich habe meinen Zustand geprüft – mein Ali ist mein Schicksal.

Muhammed Mehdi’dir sahibi zaman
On iki İmam’a kul oldum heman
Masumu paklardır envari cihan
Esrarı Huda da Ali’mdir Ali’m

Muhammad Mehdi ist der Herr der Zeit;
den Zwölf Imamen bin ich sogleich Diener geworden.
Die reinen Unschuldigen sind die Lichter der Welt;
auch in den Geheimnissen Gottes ist es mein Ali, mein Ali.

Virani’yem düştüm her an derdine
Vucudum garkoldu çile bendine
Gönül sormaz oldu kendi kendine
Söyler dehanımdan dilimdir Ali’m

Ich bin Virani, jeden Augenblick bin ich seinem Leid verfallen;
mein Dasein ist in den Fesseln der Prüfung (Çile) versunken.
Das Herz fragt sich selbst nicht mehr;
aus meinem Mund spricht es – mein Ali ist meine Zunge.

Quelle: Seyit Derviş Tur, Erkânname – Aleviliğin İslam Yorumu ve Alevi Erkânları (Erkânname – Die alevitische Auslegung des Islam und die alevitischen Rituale), erweiterte 3. Auflage (ISBN 975-6791-52-7).

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Glaube und Erkân

Cem und Rituale

Feste, Fastenzeiten und heilige Tage

Die Zwölf Imame

Die Sieben Großen Dichter

Geschichte: Ehlibeyt, Ghadir Chumm und Kerbela

Bücher und alevitische Organisation in Europa

Deutsch: Alevitentum: Grundlagen, Glaube und zentrale Begriffe · Geschichte der Aleviten-Organisation in Deutschland

Über den Autor: Seyit Derviş Tur Dede

Geboren 1936 in Başköy (Çayırlı, Erzincan) in einer Seyyid-Familie, die dem Ocak Babamansur (Şah Mansur) angehört. Er ist Mitbegründer und erster Vorsitzender (1990–1993) der Föderation der Alevitischen Gemeinden, der Vorläuferin der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF). Von 1994 bis 2003 leitete er den Dede-Rat innerhalb der Föderation. Erkânname (2002) und Avrupa’da İlk Alevi Yapılanması (2016); seine Arbeiten werden in wissenschaftlichen Veröffentlichungen von Forschern wie Martin Sökefeld, Zeynel Gül, Burak Gümüş und Bülent Keleş als Quelle herangezogen.

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Übersetzung aus dem türkischen Original von Seyit Derviş Tur.