Kurz gesagt: Noksani Baba (eigentlicher Name İbrahim) ist ein alevitischer Dichter (Ozan), der im 18. Jahrhundert in Erzurum lebte und aus einer dem Ağuçan-Ocak verbundenen Familie stammte. Obwohl er nicht zu den Sieben Großen Dichtern (Yedi Ulu Ozan) gezählt wird, werden seine Düvazdeh İmam (Gedichte auf die Zwölf Imame), Mersiyes (Klagegedichte) und Nefes (religiöse Lieder) in den Cem-Gottesdiensten ebenso oft gesungen wie die ihren. Seyit Derviş Tur Dede erzählt, wie er den Dichternamen „Noksani“ erhielt, und berichtet Legenden (Menkıbe) aus seinem Leben.
Der folgende Text stammt aus dem Buch Erkânname von Seyit Derviş Tur Dede. Für eine allgemeine Einführung: Was ist das Alevitentum?
Inhalt
Wer war Noksani Baba?
Über Noksani Babas Geburtsdatum und sein Leben liegen uns keine nennenswerten Informationen vor. Seine Doppelverse, Düvazdeh İmam und Mersiyes werden im alevitischen Glauben jedoch in unseren Cem-Gottesdiensten mindestens ebenso oft gesungen wie die Kompositionen von Kul Himmet, Seyyid Nesimi, Virani, Hatayi, Fuzuli, Yemini und Pir Sultan. Auch wenn er nicht zu den „Sieben Großen Dichtern“ gezählt wird, genießt er dieselbe Wertschätzung wie sie. Viele Jahre später stößt der verstorbene Şinasi Koç, der im Dorf Taşyurt bei Hasankale als Lehrer tätig war, in dieser Gegend auf viele Doppelverse Noksani Babas. Er erfährt, dass eine Enkelin des Trägers des Dichternamens „NOKSANI“ – der in diesen Versen vorkommt, die in unseren Cem-Gottesdiensten gesungen werden und die er immer wieder hörte – im Volkshaus (Halkevi) von Erzurum tätig ist.
Er trifft sich mit dieser Enkelin namens Lütfiye. Lütfiye Bacı ist um das Jahr 1945 eine betagte Frau von achtzig Jahren. Nach dem, was er von ihr erfährt, hatte Noksani drei Kinder namens Rıza, İbrahim und Zekiye. Von Rıza hatte er zwei Enkel namens Adil und Zekiye. Von İbrahim bekam er zwei Enkel namens Ziya und Lütfiye. Von seiner Tochter Lütfiye wiederum hatte er zwei Enkelinnen namens Makbule und Hatice. Die Lütfiye, mit der Şinasi Koç sprach, ist die Tochter von Noksani Babas Sohn İbrahim.
Sein Leben in Erzurum und der Dichtername „Noksani“
Nach diesen Angaben ist Noksani Baba ein Dichter des 18. Jahrhunderts und wurde in Erzurum geboren. Sein eigentlicher Name ist İbrahim. Den Verhältnissen der Zeit entsprechend lässt ihn sein Vater eine Medrese-Ausbildung absolvieren. In jenen Jahren wird er als „İnce Molla“ (der feine Molla) bekannt. Sein Vater İsmail soll ein treuer Talip (Anhänger) des „Ağuçan“-Ocak gewesen sein. Eines Tages kommt Sadık Dede aus der Familie Koca Seyyid im Dorf Sun bei Elazığ in das Haus seines Talips İsmail. Die Hausbewohner empfangen ihren Dede mit großer Freude. İbrahim ist nicht unter ihnen. Sadık Dede fragt nach İbrahim. Sein Vater antwortet: Er war hier in der Nähe, er kommt sicher gleich.
Kurz darauf tritt İbrahim ein. Sadık Dede, der ihn gut kennt, bemerkt sofort die Veränderung an İbrahim. İbrahim ist – in alevitischer Terminologie – dem äußeren (zahiri) Wissen verfallen, hochmütig und der Überzeugung, niemand sei ihm überlegen. Als Sadık Dede dies bemerkt, schlägt er İbrahim, der ihm die Hand küsst, unter Gebeten mit beiden Händen zwischen die Schultern und fährt mit dem Gebet fort. Aus İbrahims Mund steigt Rauch auf, und er fällt in Ohnmacht. Nach einer Weile kommt er zu sich, blickt Sadık Dede an und spricht folgende Worte:
Gönlümün ziyası gözümün nuru
Gönlümde mihmanım sen oldun ezel
Kolumun kuvveti, dizimin feri
Ruh ile revanım sen oldun ezel
Glanz meines Herzens, Licht meiner Augen,
seit Urbeginn bist du der Gast in meinem Herzen,
Kraft meines Armes, Stärke meiner Knie,
seit Urbeginn bist du meine Seele und mein Lebensatem
Sadık Dede, der Zeuge dieses Geschehens ist, verleiht İbrahim den Dichternamen (Tapşırma) „NOKSANI“. Danach werden seine Deyiş in kurzer Zeit im Volksmund berühmt, und er wird in der Gemeinschaft als geachteter, angesehener Er (Gottesmann) genannt.
In Erzurum trifft er sich häufig mit den unter den Namen „Limoncu“ und „Kavcı“ bekannten Gottesfreunden (Hak dostları) aus den Dörfern Endek und Müşkü bei Horasan und führt mit ihnen Gespräche (Sohbet). Noksani Baba, der in den TAŞ-Läden in Erzurum einen kleinen Krämerladen hatte, soll seinen Lebensunterhalt mit diesem Laden bestritten haben.
„Bring jene Muhabbet, dann gebe ich dir so viel Zucker“
Eines Tages, während er sich mit einem seiner Freunde unterhält, kommt ein Kind: „Noksani Baba, meine Mutter möchte für dieses Geld Zucker.“ Noksani Baba ist so in das Gespräch vertieft, dass er, ohne nachzusehen, wie viel Geld es ist und wie viel Zucker er geben muss, das Vier- oder Fünffache des Betrags an Zucker gibt und das Kind wegschickt. Als das Kind der Mutter den Zucker gibt, ist die Frau fassungslos. „Mein Sohn! Hast du diesen Zucker genommen, ohne dass es jemand gesehen hat?“ Das Kind sagt: „Nein, Noksani Baba hat ihn mir gegeben“, doch die Mutter glaubt ihm nicht. Die Mutter gibt dem Kind genau denselben Betrag, und gemeinsam gehen sie zu Noksani Babas Laden.
In diesem Augenblick ist Noksani Babas Gast gegangen, und er wartet hinter seinem Ladentisch auf Kundschaft. Das Kind sagt: „Noksani Baba, gibst du mir für dieses Geld Zucker?“ und reicht ihm das Geld. Noksani Baba sieht sich das Geld an, wiegt entsprechend den Zucker ab und gibt ihn. Die Mutter sieht, dass der Zucker diesmal nur ein Viertel dessen ist, was er zuvor gegeben hatte. Die Mutter fragt: „Noksani Baba, vorhin habe ich das Kind geschickt, und für dasselbe Geld haben Sie das Vierfache dieses Zuckers gegeben. Was ist denn jetzt geschehen, dass Sie so wenig Zucker geben?“ Noksani Baba: „Ach, mein Kind, bring jene Muhabbet (geistliche Unterhaltung in Liebe), dann gebe ich dir so viel Zucker.“ Die Doppelverse Noksani Babas, in dessen ganzem Wesen eine tiefe Weisheit lag, haben ihren Platz in den alevitischen Gottesdiensten und Gesprächsrunden gefunden.
Die Deyiş von Noksani Baba
Deutung der Sure Fatiha: … Hünkâr
Mürüvvet kanisin iki cihanda
Adalet tahtının sultanı Hünkâr
Süreyi Kaf Kur’an sebbel mekanda
Şerh oldu cemalin beyanı Hünkâr
Du bist die Fundgrube der Großmut in beiden Welten,
Sultan auf dem Thron der Gerechtigkeit, o Hünkâr (Herrscher),
die Sure Kaf des Koran an der Stätte des Lobpreises
wurde zur Erläuterung der Kunde Deiner Schönheit, o Hünkâr
Emrine mutidir arzu semavat
Küllü şeye yürür hükmün tamamet
Her kaçan geldikçe yevmül kıyamet
Sen oldun şefaat madeni Hünkâr
Deinem Befehl gehorchen Erde und Himmel,
über alle Dinge erstreckt sich Dein Urteil vollkommen,
und wann immer der Tag der Auferstehung kommt,
bist Du die Quelle der Fürsprache, o Hünkâr
Cemalin mahitap Elhamdülillah
Rabbil âlemisin hatmi Feyzullah
Errahmanırrahim’sin adil Padişah
Maliki yevmüddin mihmanı Hünkâr
Dein Antlitz ist Mondschein – Elhamdülillah,
Du bist Rabbil âlemin, das Siegel der Gnadenfülle Gottes (Feyzullah),
Du bist Er-rahman-ir-rahim, gerechter Padischah,
Gast von Maliki yevmiddin, o Hünkâr
İyyake nabudu dilde ibadet
İsmini zikreden bulur saadet
İyyake nestainu kıl merhamet
Gözler gedaların ihsanın Hünkâr
Iyyake na’budu – Gottesdienst auf der Zunge,
wer Deines Namens gedenkt, findet Glückseligkeit,
Iyyake nesta’in – erweise Barmherzigkeit,
die Bettler warten auf Deine Gabe, o Hünkâr
İhdinas sıratel müstakim zatın
Sıratellezine zatın sıfatın
Enamte aleyhim çoktur nimetin
Döndürürsün çarkı devranı Hünkâr
Ihdinas-sıratal-müstakim ist Dein Wesen,
Sıratallezine – Dein Wesen und Deine Eigenschaften,
En’amte aleyhim – reich ist Deine Gnade,
Du drehst das Rad der Zeit, o Hünkâr
Muhammed Mustafa Ali’nin nesli
Şebber şübber Zeynal Bakır’dır aslı
Cafer’i Sadık’tır gönlümün yası
Çalar müminlere erkânı Hünkâr
Muhammad Mustafa, Alis Nachkommenschaft,
Şebber und Şübber (Hasan und Hüseyin), Zeynal und Bakır sind ihr Ursprung,
Cafer-i Sadık ist die Trauer meines Herzens,
den Gläubigen lässt der Hünkâr das Erkân erklingen
Musa’yı Kazım’dan İmam Rıza’dan
Taki be Naki’yi Asker ligadan
İnayet Mehdi’yi sahip livadan
Gözler mağarada zamanı Hünkâr
Von Musa-i Kâzım, von Imam Rıza,
von Taki und Naki, von der Begegnung mit Askeri,
Gnade von Mehdi, dem Herrn der Fahne –
in der Höhle wartet der Hünkâr auf seine Zeit
Noksani’yem Ali Aba dostumuz
Yedullahdur demanımız destimiz
Doksan bin er ile birlik postumuz
Kılıptır bu bab’da cevlani Hünkâr
Ich bin Noksani, Ali Aba ist unser Freund,
Yedullah (die Hand Gottes) ist unser Atem und unsere Hand,
mit neunzigtausend Erenler ist unser Post (Sitzfell) eins,
an dieser Pforte hat der Hünkâr seinen Reigen gedreht
Willst du Gott (Hakk) sehen, so schau auf das Antlitz des Menschen
Hakk’ı görmek diler isen sureti insana bak
Arayıp gezme bu halkı çimsin içre cana bak
Aşık’ın miracı derler dostunun didarıdır
Bu söze ispat dilersen defteri Kur’an’a bak
Willst du Gott (Hakk) sehen, so schau auf das Antlitz des Menschen,
irre nicht suchend unter diesem Volk umher, schau auf die Seele im Leib,
man sagt, die Himmelfahrt (Miraç) des Liebenden sei das Antlitz seines Freundes,
willst du einen Beweis für dieses Wort, so schau ins Buch des Koran
Yedi iklim çar köşe bir dilberin veçhindedir
Gel oku ümmül kitabı mektebi irfana bak
Tan edip yetmiş ikiye deme kim beyhudedir
Sen seni fehm eyle sen küfürdeki imana bak
Die sieben Himmelsstriche und die vier Ecken liegen im Antlitz einer Schönen,
komm, lies die Mutter des Buches (Ümmül-Kitab), schau auf die Schule der Erkenntnis (Irfan),
tadle nicht die Zweiundsiebzig (Völker und Glaubensrichtungen) und sage nicht, wer vergeblich sei,
erkenne du dich selbst, schau auf den Glauben im Unglauben
Herkes bu haliyle buldu Rabbi’ sin bi iştikak
Rab bel âlemin buyurdu Ayeti Kur’an’a bak
Dili Yakub’un ağlayıp zar eyleme Yusuf deyü
Mısır’a sultan olan Yusuf’u Kenan’a bak
Jeder fand in seinem Zustand seinen Herrn ohne Umweg,
„Rabbil âlemin“ hat Er gesprochen – schau auf den Koranvers,
o Herz Jakobs, weine und klage nicht „Yusuf!“,
schau auf Yusuf von Kanaan, der Sultan über Ägypten wurde
Âdem’e hürmeten yaratıldı zemini asuman
Secdegahı âlem oldu Lütfi ile ihsana bak
Hakk’ı bul öz kalbin içre gel Noksanı iş bu dem
Himmetlidir evliyanın ahd ile Peyman’ına bak
Aus Ehrerbietung vor Adam wurden Erde und Himmel erschaffen,
er wurde zum Ort der Niederwerfung für die Welt – schau auf Gnade und Güte,
finde Gott (Hakk) in deinem eigenen Herzen, komm, Noksani, jetzt ist der Augenblick,
voll Segen ist der Bund der Heiligen – schau auf ihr Gelöbnis (Ahd und Peyman)
Finde den vollkommenen Mürşid
Ey mümin gezme yabanda bir kapıya bend ol
Mektebi irfan dilersen Kâmil’i mürşidi bul
Hizmetinde bel bağlayıp gönlüne gir mürşidin
Her ne emreylerse anı can ile eyle kabul
O Gläubiger, irre nicht in der Fremde umher, binde dich an eine Tür,
willst du die Schule der Erkenntnis, so finde den vollkommenen Mürşid (Kâmil-i Mürşid),
gürte dich zu seinem Dienst und gewinne das Herz des Mürşid,
was immer er befiehlt, nimm es von ganzer Seele an
Mürşit’in nefesini hak bil ger küfür ger iman
Külli varın teslim eyle sabr edüben razı ol
Geldi bunca evliyalar vasili didar oldular
Mürşide erişmeyen bulamaz Hakk’a doğru yol
Halte das Wort (Nefes) des Mürşid für wahr, ob Unglaube oder Glaube,
übergib all dein Sein, sei geduldig und zufrieden,
so viele Heilige kamen und gelangten zur Schau des göttlichen Antlitzes,
wer den Mürşid nicht erreicht, findet nicht den Weg zu Gott (Hakk)
Mürşit’in elinden içtiler ol şarabı vahdeti
Şemsi vecullaha erip dost bildiği o yola
Ol vücudundan camallullah seyredenler Veli dir
Kalbi beytullahda iken etti özün cümleye kul
Aus der Hand des Mürşid tranken sie jenen Wein der Einheit (Vahdet),
gelangten zur Sonne des Antlitzes Gottes, auf jenem Weg, den sie als den des Freundes kannten,
die in seinem Dasein die Schönheit Gottes (Cemalullah) schauen, sind Heilige (Veli),
während sein Herz das Haus Gottes (Beytullah) war, machte er sich allen zum Diener
Bu makama erişen dünya ve ukbadan geçer
Yetmiş ikiden özün eyler nefsi emareden geçer
Noksan’ı Mürşit’ini hak bil, o hep doğruyu seçer
Katreyi ummana sal kim bulasın Hakk’a vusul
Wer diese Stufe (Makam) erreicht, lässt Diesseits und Jenseits hinter sich,
sein Selbst löst er von den Zweiundsiebzig, das gebieterische Ego (Nefs-i Emmare) überwindet er,
Noksani, halte deinen Mürşid für wahrhaftig, er wählt stets das Rechte,
wirf den Tropfen in den Ozean, damit du zur Vereinigung mit Gott (Vusul) gelangst
Wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
Allah medet ya Muhammed ya Ali
Günahkârız günahımızı bağışla
İmam Hüseyin, Bektaş’ı Veli
Günahkârız günahımızı bağışla
Allah, hilf (Medet), ya Muhammad, ya Ali,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden,
Imam Hüseyin, Bektaş-ı Veli,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
Halil’in narını çimen eyleyen
Münkirin gönlünü güman eyleyen
Doksan bin kâfiri iman eyleyen
Günahkârız günahımızı bağışla
Der Du das Feuer Halils (Abrahams) zur grünen Wiese machtest,
der Du das Herz des Leugners in Zweifel stürztest,
der Du neunzigtausend Ungläubige zum Glauben führtest,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
Hazreti Üveys’in nikabın veren
Serdar Muhammed’in yolunu süren
Bin bir kelam Hz. Musa’ya soran
Günahkârız günahımızı bağışla
Der Du Hz. Üveys (Uwais) seinen Schleier gabst,
der Du den Weg Muhammads, des Anführers, gingst,
der Du Hz. Musa (Mose) tausendundein Worte fragtest,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
İmam Hasan ile serin eline alan
İmam Hüseyin ile Hür şehit olan
Zeynel’in zindanda yanına gelen
Günahkârız günahımızı bağışla
Der Du mit Imam Hasan dein Haupt in die Hand nahmst,
der Du mit Imam Hüseyin als Hür zum Märtyrer wurdest,
der Du zu Zeynel in den Kerker kamst,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
İmam Bakır kazanında sır eren
On iki buyruğu Cafer’e veren
Hatemi Ali’den görüp gözeten
Günahkârız günahımızı bağışla
Der Du im Kessel von Imam Bakır das Geheimnis erkanntest,
der Du Cafer die zwölf Gebote (Buyruk) gabst,
der Du das Siegel von Ali empfingst und hütetest,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
Musa’yı Kazım’ın rıza pazarı
İsmi Azam okur kılar nazarı
Yer, gök yokken varlık ezeli
Günahkârız günahımızı bağışla
Musa-i Kâzıms Markt der Zufriedenheit (Rıza),
der den Größten Namen (Ism-i Azam) liest und seinen Blick schenkt,
der Ewige, der da war, als es weder Erde noch Himmel gab,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
Kün deyüp cihan binasın kuran
Eyyub’u umulmaz dertlere salan
Taki Naki Askeri’ye yar olan
Günahkârız günahımızı bağışla
Der Du mit „Kün“ (Sei!) das Gebäude der Welt errichtetest,
der Du Eyyub (Hiob) in unvorstellbare Leiden warfst,
der Du Taki, Naki und Askeri ein Freund warst,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
Eyyub’un kurdunu döküp sağ eden
Harman çöpü ile Dev’i bağ eden
Miraçta Muhammed’e hitap eden
Günahkârız günahımızı bağışla
Der Du Hiob von seinen Würmern befreitest und heiltest,
der Du mit einem Strohhalm von der Tenne den Dämon (Dev) bandest,
der Du bei der Himmelfahrt (Miraç) zu Muhammad sprachst,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
Bu Fakir Ednayı sevdaya salan
Üstat Hatayı’dan dersini alan
Darda kalanların carına gelen
Günahkârız günahımızı bağışla
Der Du diesen geringsten Armen in Liebessehnsucht stürztest,
der seine Lehre von Meister Hatayi empfing,
der Du denen zu Hilfe kommst, die in Not sind,
wir sind Sünder, vergib uns unsere Sünden
Quelle: Seyit Derviş Tur, Erkânname – Aleviliğin İslam Yorumu ve Alevi Erkânları (Erkânname – Die alevitische Deutung des Islam und die alevitischen Rituale), erweiterte 3. Auflage (ISBN 975-6791-52-7).
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Über den Autor: Seyit Derviş Tur Dede
Geboren 1936 in Başköy (Çayırlı, Erzincan) in einer Seyyid-Familie, die dem Babamansur-Ocak (Şah-Mansur-Ocak) angehört. Er ist Mitbegründer und erster Vorsitzender (1990–1993) der Föderation der Alevitischen Gemeinden, der Vorläuferin der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF). Von 1994 bis 2003 leitete er den Dede-Rat der Föderation. Er ist Autor der Bücher Erkânname (2002) und Avrupa’da İlk Alevi Yapılanması (Die erste alevitische Organisation in Europa, 2016); seine Arbeiten werden in akademischen Veröffentlichungen von Forschern wie Martin Sökefeld, Zeynel Gül, Burak Gümüş und Bülent Keleş als Quelle zitiert.
Übersetzung aus dem türkischen Original von Seyit Derviş Tur.